Die Digitalisierung des Gebäudebestands bietet enorme Chancen für Energieeffizienz, ist aber mit Herausforderungen wie Fachkräftemangel und technischen Hürden verbunden. Eine Studie des KEDi und BIS GmbH analysiert die Bildungsbedarfe des SHK-Handwerks. Sie zeigt, wie praxisnahe Weiterbildungen den Kompetenzaufbau fördern können.
Das SHK-Handwerk mit bundesweit rund 48.000 Betrieben und 390.000 Beschäftigten spielt eine zentrale Rolle für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele im Gebäudesektor. Durch Digitalisierung können hier CO₂-Einsparungen realisiert und Energieeffizienz gesteigert werden.
Das Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi) hat gemeinsam mit dem Berliner Institut für Sozialforschung (BIS GmbH) zwischen 2025 und 2026 eine umfassende Studie durchgeführt, um konkrete Bildungsbedarfe im SHK-Bereich zu identifizieren. Hinweis zur Studie: Für eine Zusendung der Studie können Sie uns gerne direkt kontaktieren.
Befragt wurden Fachkräfte des SHK-Handwerks, um folgende zentrale Forschungsfragen zu beantworten:
- Welche Chancen und Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz sehen Fachkräfte im SHK-Handwerk durch Digitalisierung?
- Mit welchen Herausforderungen sind sie konfrontiert?
- In welchen Bereichen besteht besonderer Unterstützungsbedarf bei der Wissensvermittlung?
- Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Gestaltung künftiger Weiterbildungsangebote?
Die Studie schlägt eine Brücke zwischen dem vorhandenen Wissen der SHK-Fachkräfte und dem aufzubauenden Wissen in der Branche.
Die Erhebung basiert auf einer dreistufigen Methodik:
- 1. Schritt: Qualitative Interviews zur vertieften Exploration des Themas
- 2. Schritt: Fachworkshop zur Diskussion und Validierung der Erkenntnisse
- 3. Schritt: Umfrage unter 31.941 SHK-Betrieben zur quantitativen Absicherung der Ergebnisse
Im folgenden stellen wir ausgewählte Ergebnisse der Umfrage vor.
Chancen der Digitalisierung für mehr Energieeffizienz im Bereich SHK
Die Befragung zeigt, dass digitale Technologien in verschiedenen Tätigkeitsbereichen als wirksamer Hebel für Energieeffizienz wahrgenommen wird.
Besonders hoch bewertet werden digitale Lösungen, die direkt auf die Steuerung und Regelung von Heizungsanlagen abzielen. Sie ermöglichen nicht nur Energieeinsparungen, sondern reduzieren auch den Personalaufwand bei Wartungen und erhöhen die Transparenz von Prozessen.
Herausforderungen auf dem Weg zur Digitalisierung
1. Fachkräfte & Qualifikation
Trotz der erkennbaren Potenziale gibt es erhebliche Hürden, die einer breiten Umsetzung digitaler Lösungen im Weg stehen:
- 84 Prozent der Betriebe haben Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden und zu halten.
- 78 Prozent sehen in der innerbetrieblichen Weiterbildung einen erheblichen Mehraufwand, da diese meist on-the-job erfolgt.
- 73 Prozent wünschen sich mehr herstellerunabhängige Schulungen, um neutrale Kompetenzen aufzubauen.
- 64 Prozent empfinden digitale Systeme als zu komplex und überfordernd.
- Über 50 Prozent bemängeln, dass in der Berufsausbildung zu wenig Basiswissen sowie Kenntnisse zur Vernetzung und Kompatibilität vermittelt werden.
2. Organisation & Zusammenarbeit
- Inkompatibilität von Geräten und Systemen (87 Prozent Zustimmung) ist die häufigste Herausforderung.
- Fehlende Orientierung bei Kunden: 72 Prozent der Befragten bestätigen, dass Kundinnen und Kunden nicht wissen, welche Fachbetriebe sie für digitale Gebäudetechnik beauftragen sollen.
- Koordination mehrerer Gewerke (70 Prozent Zustimmung) wird als schwierig eingestuft.
- Fehlender Überblick über die energetische Gebäudestruktur (60 Prozent Zustimmung) erschwert ganzheitliche Lösungen.
Weiterbildungsinhalte: Welche Themen sind entscheidend?
Die Studie identifiziert sechs zentrale Weiterbildungsthemen, die von den Betrieben besonders nachgefragt werden.
Schlussfolgerung:
- Ganzheitliche Ansätze (z. B. energetische Gebäudebetrachtung) und praktische Themen (Fördermittel, Zusammenarbeit) stehen im Fokus.
- Basiswissen zur Heizungstechnik wird seltener nachgefragt – hier sehen viele Betriebe keinen akuten Handlungsbedarf.
Weiterbildungsbedarf im SHK-Handwerk: Formate, Dauer und Anforderungen
Fragen nach dem Weiterbildungsbedarf der verschiedenen Mitarbeitergruppen, nach den erwarteten Bildungsanbietern, den gewünschten Formaten und der Dauer von Bildungsangeboten bildeten den Abschluss der Umfrage.
Dauer einer (einmaligen) Weiterbildungsveranstaltung
- 54 Prozent bevorzugen eintägige Formate als realistisch planbar.
- 26 Prozent wären bereit, mehr als einen Tag zu investieren.
- 14 Prozent setzen auf halbtägige Formate.
- Kurzformate (1–2 Stunden oder weniger) spielen eine untergeordnete Rolle (6 Prozent).
Betriebe wünschen sich vertiefende Lernformate, die ausreichend Zeit für Praxisbezug und Wissensvermittlung bieten.
Handlungsempfehlungen für die Zukunft
Die Studie zeigt: Ein erfolgreicher Kompetenzaufbau im SHK-Handwerk erfordert ein koordiniertes Zusammenspiel von Institutionen, Betrieben und Lernenden.
Erfolgsfaktoren für Weiterbildungsangebote:
- Akzeptanz der Inhalte: Praxisnahe und bedarfsgerechte Themen
- Methodische Vielfalt: Kombination aus Theorie und Anwendung
- Institutionelle Einbettung: Integration in bestehende Aus- und Weiterbildungsstrukturen
- Systemischer Ansatz: Nicht nur punktuelle Schulungen, sondern langfristige Kompetenzentwicklung
Fazit
Die Digitalisierung im SHK-Bereich bietet enorme Chancen für Energieeffizienz und neue Geschäftsmodelle, doch der Weg dorthin ist mit Herausforderungen verbunden. Qualifizierte Fachkräfte, herstellerunabhängige Schulungen und eine bessere Zusammenarbeit der Gewerke sind entscheidend, um das volle Potenzial digitaler Technologien auszuschöpfen.
Die Studie liefert eine empirische Grundlage, um Weiterbildungsangebote zielgerichtet zu gestalten und so den nachhaltigen Kompetenzaufbau in der Branche zu fördern.
Hinweis zur Studie: Für eine Zusendung der Studie können Sie uns gerne direkt kontaktieren.
Kontakt
Susanne Kotzsch
KEDi Expertin Energieeffizienz Digitalisierung - Konzeption & Transfer