Online-Benchmarking am Beispiel von Kälteanlagen
Stand: August 2026Energieeffizienz messen, vergleichen und steigern
Benchmarking hilft, die Energieeffizienz von Kälteanlagen einzuordnen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Durch digitale Lösungen wie Echtzeit-Daten und automatisierte Datenerfassung wird das Online-Benchmarking zugänglicher und liefert präzise Erkenntnisse, besonders für KMUs.
- Was ist Benchmarking?
- Was ist eine Benchmarking-Plattform?
- Warum lohnt sich Benchmarking für KMU?
- dena-Pilotprojekt „Analyse- und Benchmarking-Plattform für Kälteanlagen“
- Praxisbeispiel: Wie Unternehmen mit Kälteanlagen bereits profitieren
- Wie startet man mit Online-Benchmarking?
- Praxis-Hinweise für KMU
Was ist Benchmarking?
Benchmarking ist die systematische Methode, eigene Unternehmenskennzahlen mit definierten Referenzwerten zu vergleichen, um:
- die eigene Leistung einzuordnen
- Abweichungen zu identifizieren
- gezielte Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.
Je nach Zielsetzung kann dabei auf interne Benchmarks (z. B. Vergleich zwischen Unternehmensbereichen), Wettbewerbsbenchmarks oder branchenweite Vergleichswerte zurückgegriffen werden.
In der Praxis basiert die Erhebung solcher Vergleichsdaten bislang häufig auf manuellen Prozessen: Unternehmen, oder spezialisierte Verbände und Beratungsorganisationen, erfassen Kennzahlen eigenständig, konsolidieren Unternehmensangaben aus unterschiedlichen Quellen und führen diese zu Branchenbenchmarks oder Branchenindizes zusammen. Diese Vorgehensweise liefert zwar grundsätzlich wertvolle Orientierungsgrößen, weist jedoch strukturelle Schwächen auf: Die Daten sind häufig veraltet, da Erhebungszyklen oft jährlich oder noch seltener stattfinden; die Vergleichbarkeit ist eingeschränkt, weil Kennzahlen je nach Unternehmen unterschiedlich definiert oder erhoben werden; und der damit verbundene Zeit- und Ressourcenaufwand macht solche Benchmarking-Initiativen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besonders schwer zugänglich.
Mit zunehmender Digitalisierung eröffnen sich hier jedoch neue Möglichkeiten: Automatisierte Datenerfassung, standardisierte Schnittstellen und datengetriebene Analyseplattformen könnten künftig eine kontinuierlichere, vergleichbarere und für KMU leichter nutzbare Form des Online-Benchmarkings ermöglichen.
Schon gewusst?
Auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gibt es Unterstützungsangebote speziell für die Kältetechnik – darunter Schnellanalyse-Tools („Quick-Checks“), mit denen sich die Energieeffizienz von Kälteanlagen schnell einschätzen und erste Optimierungspotenziale erkennen lassen.
Was ist eine Benchmarking-Plattform?
Eine Benchmarking-Plattform ist ein digitales System, das:
- Daten zentral erfasst (z.B. von mehreren Unternehmen, Standorten oder Anlagen)
- strukturiert verarbeitet und vergleichbar macht
- Echtzeit-Analysen ermöglicht
Benchmarking-Plattformen können dabei so aufgebaut sein, dass vordefinierte Betriebsdaten automatisiert, kontinuierlich und anonymisiert an einem zentralen Ort gesammelt und analysiert werden. Dadurch wird Benchmarking dynamischer, aktueller und deutlich präziser. Gleichzeitig erhöht sich die Vergleichbarkeit durch einheitliche Erfassungs- und Verarbeitungsstandards, während die größere Datenbasis die statistische Aussagekraft der Ergebnisse erhöht. Je nach Anwendungsbereich können unterschiedliche Benchmark-Kennzahlen zum Einsatz kommen.
Der Vorteil für KMU: Ohne eigene Vergleichswerte oder tiefgehende Analyse lässt sich schnell einschätzen, wie gut die eigene Anlage im Marktumfeld performt.
Warum lohnt sich Benchmarking für KMU?
Benchmarking bietet KMU eine Reihe konkreter Vorteile:
- Vergleichbarkeit schaffen: Gerade Unternehmen mit wenigen Anlagen haben oft keine Referenz für „gute“ Effizienzwerte. Erst der Vergleich mit einer größeren Datenbasis ermöglicht eine realistische Einordnung.
- Transparenz und gezielte Optimierung: Ineffizienzen werden sichtbar – etwa in der Regelung, im Lastverhalten oder bei einzelnen Komponenten.
- Kosteneinsparungen: Durch die Anpassung von Betriebsparametern ineffizienter Komponenten (z. B. Verdichter oder Verflüssiger) kann der Energiebedarf um bis zu 20 Prozent gesenkt werden. Dies kann auch zu einem Wettbewerbsvorteil führen.
- Fundierte Investitionsentscheidungen: Die Datengrundlage ermöglicht belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnungen, z. B. für Retrofit-Maßnahmen oder den Austausch von Komponenten.
- Gezielter Einsatz externer Expertise: Benchmarking ersetzt keine Fachkräfte, zeigt aber klar auf, wann Handlungsbedarf besteht. Dadurch können Beratungs- und Serviceleistungen gezielter beauftragt werden.
- Nachweisfähigkeit: Daten unterstützen Reporting-Anforderungen, etwa im Rahmen von Energieaudits oder regulatorischen Vorgaben.
- Schritt Richtung Digitalisierung: Der Übergang von punktuellen Messungen zu kontinuierlichem Monitoring ermöglicht eine systematische Optimierung des Anlagenbetriebs.
dena-Pilotprojekt „Analyse- und Benchmarking-Plattform für Kälteanlagen“
Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) beauftragten Projekts wurde unter Leitung der dena gemeinsam mit den Projektpartnern ClimaCheck, Idun Real Estate Solutions und KühlAnalyse eine IT-basierte Pilotplattform entwickelt: die Energy Performance Benchmarking Plattform (EPB).
Projektumsetzung & Datenbasis
In der Pilotphase beteiligten sich zwölf Unternehmen, aus deren Anlagen Daten von insgesamt 18 Kältesystemen erfasst wurden. Die teilnehmenden Betriebe deckten verschiedene Branchen ab, darunter:
- Lebensmittellogistik (z. B. Verarbeitung, Supermärkte und Lager)
- Gastronomie
- Hotellerie
- Krankenhäuser
Durch diese breite Aufstellung entstand eine vielfältige Datenbasis, die unterschiedliche Anwendungsfälle und Betriebsbedingungen berücksichtigt. Dies ermöglicht belastbare Vergleiche zwischen verschiedenen Anlagen und Standorten.
Die Plattform nutzt Echtzeitdaten und Benchmarkvergleiche, um die Performance von Kälteanlagen transparent einzuordnen. Abweichungen vom optimalen Betrieb durch Reports und Dashboards unmittelbar sichtbar. Diese Daten bilden die Grundlage, um:
- Betriebsparameter gezielt anzupassen
- Energieeinsparpotenziale systematisch zu erschließen.
Benchmark-Kennzahlen für Kälteanlagen: SEI & NES
Zur Bewertung der Anlagenleistung der Kältetechnik werden zwei zentrale Energieleistungskennzahlen (EnPI – Energy Performance Indicator) für die EPB-Plattform verwendet: der Systemeffizienzindex (SEI) und die Normalisierte Energiesignatur (NES). Sie bilden den Kern der Plattform.
Praxisbeispiel aus der EPB-Plattform:
In der Abbildung ist der SEI als übergeordneter Kennwert für eine Anlage sowie die Effizienz der Subsysteme dargestellt. Im Beispiel liegt der Wert der Gesamtperformance bei rund 26 Prozent, ein deutlicher Abstand zum optimalen Betrieb. Die Detailansicht zeigt, dass der Verdichter im Vergleich zu anderen Komponenten eine geringere Effizienz aufweist und somit ein Ansatzpunkt für Optimierungsmaßnahmen ist.
Warum ist Online-Benchmarking für Kälteanlagen ideal?
Kälte- und Klimaanlagen sind komplexe, verkettete Systeme aus mehreren Komponenten wie Verdichter, Wärmetauscher und Regelung. In der Praxis weicht der Betrieb häufig von den ursprünglichen Planungswerten ab, etwa durch veränderte Nutzungsbedingungen oder nicht optimal eingestellte Parameter.
Gerade in solchen Systemen entstehen Effizienzverluste schleichend und bleiben oft unentdeckt. Kontinuierliche Messung und Vergleich ermöglichen es, diese Abweichungen sichtbar zu machen und gezielt gegenzusteuern.
Ein entscheidender Vorteil: Viele dieser Ineffizienzen lassen sich durch die Nachjustierung bestehender Anlagenparameter beheben, ohne größere Investitionen oder technische Nachrüstungen.
„Es wird in der Regel davon ausgegangen, die Anlage läuft effizient, sobald sie die gewünschte Zieltemperatur erreicht.“
Im Ergebnis: Energieeinsparungen von bis zu 20 Prozent möglich
Die Ergebnisse des dena-Pilotprojekts zeigen hohe Einsparpotenziale: Unternehmen aus Lebensmittellogistik, Gesundheitswesen und Gastronomie konnten ihre Kälteanlagen analysieren und gezielt optimieren. In Einzelfällen wurden Effizienzsteigerungen von bis zu 20 Prozent erzielt. Die dafür notwendigen Maßnahmen – vor allem durch gezielte Nachjustierung – amortisieren sich meist innerhalb von ein bis zwei Jahren, häufig sogar schneller. Damit handelt es sich um eine klassische „Low-Hanging Fruit“
Praxisbeispiel: Wie Unternehmen mit Kälteanlagen bereits profitieren
In einem Supermarktbetrieb wurde über den SEI erkannt, dass ein Verflüssiger deutlich unterhalb seines optimalen Wirkungsgrades arbeitete. Nach gezielter Anpassung der Einstellungen konnte die Verflüssigereffizienz von 47 Prozent auf 80 Prozent gesteigert werden.
Die folgende Abbildung visualisiert die Optimierung des Verflüssigers. Sie zeigt den zeitlichen Verlauf der Betriebsdaten. Links ist der Zustand der Anlage vor der Optimierung zu sehen, geprägt durch stärkere Schwankungen und weniger stabile Betriebsbedingungen. Der markierte Zeitpunkt in der Mitte kennzeichnet die Anpassung der Anlagenparameter. Rechts davon zeigt sich der optimierte Betrieb: Die Kennwerte verlaufen deutlich stabiler und Effizienzgrößen wie der SEI verbessern sich sichtbar. Der Vergleich macht deutlich, wie schnell sich gezielte Einstellungen auf die Anlagenperformance auswirken können.
Wie startet man mit Online-Benchmarking?
Praxis-Hinweise für KMU
- Pragmatisch starten: Nutzen Sie vorhandene Daten und beginnen Sie ggf. mit einzelnen Anlagen oder Teilbereichen.
- Skalierung beachten: Auch kleinere Anlagen können von Benchmarking profitieren – wichtig ist eine sinnvolle Datenbasis.
- Datenqualität sichern: Achten Sie auf vollständige Daten und vergleichbare Rahmenbedingungen.
- Fokus auf wenige KPIs: Verwenden Sie aussagekräftige, standardisierte Kennzahlen für eine klare Bewertung.
- Mit einfachen Maßnahmen beginnen: Setzen Sie zunächst „Low-hanging fruits“ um und steigern Sie die Effizienz schrittweise.
- Verantwortlichkeiten klären: Schaffen Sie Kapazitäten und klare Zuständigkeiten im Unternehmen.
- Gezielt Expertise einbinden: Nutzen Sie externe Fachkräfte dort, wo konkrete Optimierungspotenziale sichtbar werden.
- Datenschutz & Vertraulichkeit: Wenn Daten mit anderen Anlagen verglichen werden (externes Benchmarking), sind Datenschutz und Vertraulichkeit wichtig. Die Verträge mit Dienstleistern sind zu prüfen. Wichtig ist, dass die Plattform datensicher arbeitet und nur berechtigte Personen (z. B. Betreiber, Energieberater) Zugriff auf die Daten haben.
Einbindung in Energiedatenmanagement: Benchmarking lässt sich als Modul in ein ganzheitliches Energiedatenmanagement integrieren.
- Kosten-Nutzen im Blick behalten: Der Einstieg mit einer kleinen Anlage oder Teilbereich kann sinnvoll sein, bevor eine vollständige Plattform-Lösung eingeführt wird.
Praxishilfen:
Kontakt
Samira Sonnack
KEDi Expertin Energieeffizienz durch Digitalisierung in der Industrie