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Abwärme messen und effizient nutzen

Stand: März 2026

Die Nutzung von Abwärme in industriellen Prozessen ist nicht nur ein Schlüssel zur Steigerung der Energieeffizienz, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Durch intelligente Systeme lässt sich diese oft ungenutzte Wärmeenergie auffangen und direkt in andere Produktionsschritte oder Heizprozesse integrieren. Lesen Sie hier, wie moderne Technologien und innovative Lösungen die Abwärmenutzung optimieren und welche Potenziale sie für Ihre Branche bieten.

Warum digitalisierte Messung die Basis für effiziente Abwärmenutzung ist

Kälteanlagen sind typische Abwärmeproduzenten, die Wärme kann auch für andere Prozesse genutzt werden.

Abwärme wird in der Industrie erst dann wirtschaftlich nutzbar, wenn sie transparent erfasst und analysiert wird. Mit Hilfe von Messtechnik und digitaler Datenanalyse wird sichtbar, wo Wärme entsteht, wann sie anfällt und an welchen Stellen Energieverluste auftreten. Erst diese Datengrundlage ermöglicht fundierte Entscheidungen zur Abwärmenutzung, Energieeffizienzsteigerung und CO2-Reduktion. Wärme zählt zu den größten Kostenfaktoren in der Industrie, wird jedoch häufig unterschätzt. In vielen Betrieben fällt täglich unvermeidbare Abwärme an, beispielsweise: 

  • bei der Erzeugung von Prozesswärme z. B. durch Abgasverluste,
  • beim Kühlen von Anlagen durch exothermes Verhalten
  • in der Druckluftbereitstellung durch polytrope Verdichtung (80 bis 96 Prozent der Energie ist Abwärme) 

Besonders in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung und -umformung, der Chemieindustrie, der Lebensmittelproduktion sowie der Glasherstellung macht Prozesswärme einen erheblichen Anteil am gesamten Energieverbrauch aus. Dennoch bleibt ein großer Teil dieser Energie ungenutzt. Sie wird über Prozessabgase, Abluftsysteme oder Kühlwasser, über Rückkühlwerke, an die Umwelt abgegeben. Der wesentliche Grund: Abwärme wird nicht kontinuierlich gemessen. Ohne belastbare Daten ist es kaum möglich zu beurteilen, ob und wo sich Abwärmenutzung wirtschaftlich und technisch sinnvoll realisieren lässt. 

Transparenz schaffen durch digitalisierte Messung

Bevor in Wärmetauscher oder neue Anlagen investiert wird, ist eine verlässliche Planungsgrundlage entscheidend. Klassische Energieberatungen basieren jedoch häufig auf Schätzungen oder punktuellen Messungen. Das Risiko: Die geplante Technik passt nicht zum tatsächlichen Verbrauch.   

Digitalisierte Messung schafft hier Transparenz und bietet insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine sichere Entscheidungsbasis für Investitionen in Energieeffizienz und Abwärmenutzung: 

  • Mobile Sensoren und Datenlogger ermöglichen in vielen Fällen die Erfassung von Wärmeströmen im laufenden Betrieb, ohne Produktionsstillstand.
  • Vermeidbare bzw. verminderbare Wärmeverluste, etwa durch unzureichende Dämmung von Anlagen und Rohrleitungen, können mit Hilfe mobiler Thermografie-Geräte präzise erfasst und digital ausgewertet werden.
  • Zeitlich aufgelöste Lastprofile zeigen, wann, wo und in welcher Menge Wärme anfällt. Erst so lässt sich beurteilen, ob das Abwärmeangebot (Wärmequellen) und der Wärmebedarf (Senken) tatsächlich zusammenpassen.
  • Unnötige Überdimensionierung von Neu- und Ersatzanlagen können mit Hilfe von Messdaten der Bestandsanlage erkannt und vermieden werden. Zudem können die Prozesse optimal eingestellt werden.
  • Energiemanagementsysteme bündeln die Daten und zeigen transparent Energieströme jeglicher Art im Unternehmen, sowohl qualitativ als auch quantitativ.

Was bedeutet digitalisierte Messung von Wärme?

Die digitalisierte Messung von Wärme beschreibt die kontinuierliche Erfassung und intelligente Auswertung von Energie- und Prozessdaten.

Dabei werden verschiedene Messgrößen erfasst, z.B.: 

  • Temperaturen von Abgasen oder Medien
  • Feuchtegehalt von Abgas und Abluft
  • Volumen- und Massenströme
  • Betriebszeiten sowie Lastverläufe

Entscheidend für die interne Abwärmenutzung ist der zeitliche Zusammenhang:

  • Wann fällt Abwärme an?
  • In welcher Menge?
  • Und besteht gleichzeitig ein Bedarf? 

Erst diese Informationen erlauben eine realistische Bewertung von Maßnahmen wie Wärmepumpen, Wärmerückgewinnung, thermischen Speichern oder der Planung interner Wärmenetze und Übergabepunkten. Gleichzeitig lassen sich so auch Wirtschaftlichkeit und Förderfähigkeit belastbar einschätzen.  

Klassische Abwärmenutzung: Einzellösungen als pragmatischer Einstieg

Viele Unternehmen nutzen Abwärme bereits punktuell. Typische Beispiele sind:

  • Nutzung von Kompressorabwärme für Heizung, Warmwasser oder Trocknungsprozesse
  • Wärmerückgewinnung aus Abluft zur Frischluft-Vorwärmung
  • Nutzung von Abwärme aus Kühlprozessen

Abwärmenutzung als systemischer Ansatz

Pinch-Analyse

Ziel der Analyse ist es, möglichst viel Abwärme intern zu nutzen und den externen Energiebedarf auf ein Minimum zu reduzieren.

Für eine ganzheitliche und effiziente Abwärmenutzung in der Industrie bietet sich ein systemischer Ansatz an: die Pinch-Analyse. Mit Hilfe der Analyse kann der Primärenergiebedarf um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Die Pinch-Analyse untersucht an einem Standort ganzheitlich. Sie analysiert alle Wärmequellen und Senken mit dem Ziel, diese optimal miteinander zu koppeln. 

Im Detail sieht das wie folgt aus: Die Pinch-Analyse untersucht die Wärmeströme von Produkt- und Prozessströmen am gesamten Betriebsstandort hinsichtlich des Temperaturniveaus, der Volumenströme, der Wärmekapazität sowie deren zeitlichen Verfügbarkeit. Sie identifiziert und analysiert ungenutzte Wärmequellen und Senken und verbindet diese durch ein Wärmetauschernetzwerk bzw. Wärmeübertragern miteinander. Das Ziel ist es, möglichst viel Abwärme intern zu nutzen und den externen Energiebedarf auf ein Minimum zu reduzieren.

Softwaregestützte Analysen unterstützen dabei, geeignete Kombinationen von Wärmequellen und -senken zu identifizieren und eine sinnvolle Auslegung zu bestimmen. Sie helfen Unternehmen, fundierte Entscheidungen zu treffen, ohne alle Zusammenhänge manuell berechnen zu müssen.

Der Aufwand einer systematischen Betrachtung, wie der Pinch-Analyse, ist oft höher im Vergleich zur Einzelbetrachtung von lokalen Wärmequellen und Senken im Unternehmen. Sie bietet jedoch auch ein deutlich größeres Potenzial zur Reduzierung des Energieverbrauchs und den CO₂-Emissionen.

Weitere Informationen zur Pinch-Analyse stellt z.B. die Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke bereit.

Vereinfachte Version der Pinch-Analyse für KMU: Strukturierte Einordnung von Wärmequellen und -bedarf

Die Pinch-Analyse ist besonders dort sinnvoll, wo mehrere Prozesse gleichzeitig ablaufen, unterschiedliche Temperaturniveaus vorliegen und größere Energieverbräuche im Spiel sind. Nicht jedes Unternehmen benötigt eine vollständige Pinch-Analyse. Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen ist häufig ein vereinfachter Ansatz sinnvoll. Das bedeutet: 

  • systematische Erfassung aller Wärmequellen und Senken
  • strukturierte Gegenüberstellung der Wärmebedarfe
  • Einordnung nach Temperaturniveaus und verfügbaren Leistungen
  • Betrachtung zeitlicher Überschneidungen

Messdaten mit digitaler Datenaufbereitung liefern hierfür die notwendige Grundlage. So lässt sich fundiert entscheiden, ob sich eine vertiefte Analyse lohnt. Externe Fachplanende werden insbesondere dann notwendig, wenn es um:

  • hydraulische Detailplanung
  • Installation von Rohrleitungen
  • prüffähigen Gutachten geht.

Wie geht man bei der Wärmeerfassung vor?

Der Weg zur wirtschaftlichen Abwärmenutzung

Der Weg zur wirtschaftlichen Abwärmenutzung beginnt mit Transparenz:

  1.  Relevante Energie- und Prozessdaten erfassen
  2. Klassische Abwärmequellen erkennen und systemische Zusammenhänge prüfen
  3. Wirtschaftlichkeit bewerten
  4. Fördermöglichkeiten einbeziehen

Förderung

Maßnahmen zur Optimierung von Prozesswärme und Abwärmenutzung werden staatlich unterstützt. Im Rahmen der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft werden unter anderem unterstützt:

  • BAFA Modul 3: Mess- und Energiemanagementtechnik
  • BAFA Modul 4: Umsetzung von Effizienzmaßnahmen
  • die Umsetzung konkreter Maßnahmen – von der Pinch-Analyse durch Expertinnen und Experten bis hin zum Einbau der Technik
  • der EEW-Förderwettbewerb wiederum ist akteurs-, sektor- und technologieoffen und somit für alle investiven Maßnahmen zur Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz von Unternehmen anwendbar

Förderwegweiser

Erhalten Sie einen Überblick über die verfügbaren Förderprogramme und zu den verschiedenen Möglichkeiten und deren Voraussetzungen, um Ihre digitalen Projekte erfolgreich umzusetzen.

Bundesland

Webinar | Abwärme effizient nutzen: Strategien und Analyseansätze für Industrie-KMU | 28.04. 14:00 - 16:00 Uhr

Abwärmepotenziale in Industrie-KMU bleiben oft ungenutzt – im KEDi Webinar zeigen wir, wie Sie diese digital erfassen, systematisch analysieren und passende Nutzungsstrategien ableiten können. Das Webinar findet in Kooperation mit dem Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft  (BVMW) statt.

Abwärme erkennen und bewerten
In vielen Industrieunternehmen entsteht täglich Abwärme – bleibt jedoch häufig ungenutzt, weil Transparenz über Wärme- und Energieströme fehlt. Das KEDi Webinar zeigt, wie Unternehmen systematisch prüfen können, ob Abwärme- und Prozesswärmepotenziale für sie relevant sind.

Messung, Analyse und passende Ansätze
Sie erhalten einen kompakten Überblick zur digitalen Erfassung von Wärmeströmen, zu zentralen Bewertungsgrößen und zu unterschiedlichen Nutzungsstrategien. Neben klassischen Lösungsansätzen wird eine vereinfachte Pinch-Analyse („Pinch Light“) vorgestellt und um eine Einordnung aktueller politischer Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten ergänzt.

Klare Orientierung für nächste Schritte
Im Fokus stehen Einordnung und Entscheidungsfähigkeit statt technischer Detailtiefe. Ziel ist es, den eigenen Handlungsbedarf realistisch einzuschätzen und fundiert über weitere Schritte – intern, mit externer Unterstützung oder über Fördermöglichkeiten – zu entscheiden.

Jetzt kostenlos anmelden!

Programm

14:00 Uhr | Begrüßung & Vorstellung des KEDi
14:10 Uhr | Impuls des Kooperationspartners BVMW
14:15 Uhr | Abwärmenutzung: Rahmenbedingungen & Förderung 
14:30 Uhr | Digitale Erfassung und Bewertung von Wärmeströmen
14:50 Uhr | Pinch-Analyse „Light“: Wärmepotenziale systematisch erschließen
15:15 Uhr | Praxisbeispiel: Abwärme aus Druckluft nutzen (Vorstellung IPT-Pergande Gesellschaft für Innovative Particle Technology mbH)
15:40 Uhr | Fragen & Abschluss

Fortbildungsanerkennung für Energieeffizienz-Expertinnen & -Experten

Sie können sich die Teilnahme an dem Webinar als Energieeffizienz-Expertin & Experte als  Fortbildung anerkennen lassen!

  • Wohngebäude: 0
  • Nichtwohngebäude: 2
  • Energieaudit DIN 16247/Contracting: 2

Weiterführende Informationen zur Abwärmenutzung in der Industrie

Praktische Hilfen

Information & Beratung

FAQ

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