Smart Readiness Indicator (SRI) für Gebäude
Stand: Januar 2026- Wie „intelligent“ ist mein Gebäude? Der SRI im Überblick
- Was macht ein Gebäude „smart“?
- Hintergrund: Warum der SRI für Wohnungsunternehmen und Immobilienbesitzende relevant ist
- Bewertung: Wie wird der SRI berechnet?
- Was kann der SRI für Gebäudeeigentümer, Verwalter und Investoren bringen?
- Häufige Fragen zum Smart Readiness Indicator (SRI)
Wie „intelligent“ ist mein Gebäude? Der SRI im Überblick
Der Smart Readiness Indicator (SRI) ist das europäische Bewertungssystem für die Digitalisierung und intelligente Betriebsführung von Gebäuden. Er misst, wie energieeffizient, flexibel und nutzungsorientiert ein Gebäude bereits ist und wo noch Potenzial für eine smarte Betriebsführung besteht.
Was bewertet der SRI?
Energieeffizienz: Wie gut nutzt das Gebäude bzw. seine technischen Anlagen digitale Lösungen, um Energie zu sparen?
Anpassung an die Nutzenden: Kann das Gebäude seinen Betrieb so anpassen, damit es den Bedarfen der Nutzenden in Bezug auf Komfort, Gesundheit und Wohlbefinden gerecht wird?
Anpassung an das Stromnetz: Kann das Gebäude seinen Betrieb an Signale (Strompreise, Netzbelastung) des Stromnetzes anpassen und flexibel darauf mit Verbrauchs- und Speicherungsoptionen reagieren?
Der SRI befindet sich derzeit in einer Testphase. Nach deren Abschluss entscheidet die EU-Kommission, ob und wie der Indikator ab 2027 flächendeckend eingeführt wird.
Warum ist das wichtig? Ein hoher SRI-Wert kann den Wert und die Attraktivität eines Gebäudes steigern für Eigentümer, Mietende und die Umwelt.
Was macht ein Gebäude „smart“?
Nach Definition der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD 2024) ist ein Gebäude dann intelligent, wenn es in der Lage ist:
- Betriebsveränderungen zu erkennen und zu interpretieren,
- Nutzeranforderungen zu berücksichtigen,
- Signale aus dem Stromnetz zu verarbeiten und aktiv darauf zu reagieren.
Ziel ist ein effizienter, nutzerorientierter und netzdienlicher Gebäudebetrieb, unterstützt durch digitale Gebäudetechnologien wie Automation, Monitoring und KI-gestützte Regelungssysteme.
Hintergrund: Warum der SRI für Wohnungsunternehmen und Immobilienbesitzende relevant ist
Das Ziel des Smart Readiness Indicator (SRI) ist es, das Bewusstsein für digitale Gebäudetechnologien zu stärken und transparent darzustellen, welchen Beitrag eine intelligente Betriebsführung zur Energieeffizienz, zur Netzstabilität sowie zur Erfüllung von Nutzeranforderungen leistet.
Der SRI soll das Bewusstsein für digitale Gebäudetechnologien stärken und transparent aufzeigen, wie intelligente Betriebsführung zu
- höherer Energieeffizienz,
- Netzstabilität und
- optimalen Nutzererlebnissen beiträgt.
Aktuelle Regulierung
- Die neue EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) von 2024 sieht vor, dass Nichtwohngebäude mit einer Heiz- oder Kühlnennleistung über 290 kW den SRI verpflichtend einführen müssen. Damit ist der SRI vergleichbar mit bestehenden Anforderungen an Gebäudeautomation und Monitoring, wie sie heute bereits in § 71a GEG verankert sind.
- Bis Juni 2026 wird die EU-Kommission einen Evaluationsbericht vorlegen.
- Bis Juni 2027 wird die Europäische Kommission über die verbindliche Einführung entscheiden.
Bewertung: Wie wird der SRI berechnet?
Der SRI bewertet den Digitalisierungsgrad und die Möglichkeiten der intelligenten Betriebsführung eines Gebäudes in neun technischen Bereichen („Domains“). Für jeden dieser Bereiche sind unterschiedliche Services definiert, denen jeweils Funktionslevel zugeordnet werden: von manuellem Betrieb bzw. nicht vorhandenen Funktionen bis hin zu vollständig automatisierten, lernfähigen Systemen. Das Ergebnis ist ein Gesamtscore (z.B. Klassen A–G), der aufzeigt, wie intelligent ein Gebäude anhand der vorhandenen Technologien betrieben werden kann. Die Gewichtung der neun Bereiche basiert auf sieben sogenannten Impact Criteria.
Dabei werden gebäudespezifische, regionale und klimatische Unterschiede berücksichtigt, um eine realistische und faire Bewertung zu ermöglichen. So entsteht ein kontextabhängiges Gesamtbild, das zeigt, wie intelligent, regulatorikkonform und zukunftsfähig ein Gebäude tatsächlich ist.
Für die Bewertung hat das zuständige Projektteam der EU-Kommission eine standardisierte Bewertungsmethodik definiert und in einem Tool umgesetzt. Darüber hinaus haben die EU-LIFE-Projekte, die die nationalen Testphasen begleiten, eigene digitale Berechnungstools entwickelt. Ein weiteres solches Tool hat auch das KIT (Karlsruher Institut für Technologie) entwickelt.
Was kann der SRI für Gebäudeeigentümer, Verwalter und Investoren bringen?
Der SRI bietet Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern, Verwaltenden und Investoren einen strukturierten Überblick über den digitalen Reifegrad von Gebäuden. Er schafft Transparenz und unterstützt fundierte Entscheidungen für einen zukunftsfähigen Gebäudebetrieb.
- Transparenter Digitalisierungsgrad: Klare Übersicht über den Stand der Gebäudetechnik
- Vergleichbarkeit: Benchmarking mit anderen Gebäuden
- Handlungsempfehlungen: Konkrete Maßnahmen für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit
- Individuelle Digitalisierungsstrategie: Maßgeschneiderte Lösungen für Bestands- und Neubauten
Flexibel und praxisnaher Einsatz des SRI
Der SRI lässt Spielräume bei der Gewichtung technischer Bereiche und Wirkungskriterien, um regionale und gebäudespezifische Unterschiede angemessen zu berücksichtigen. Der zentrale Mehrwert entsteht nach der Bewertung: Aus den SRI-Ergebnissen lassen sich individuell abgestimmte Optimierungsmaßnahmen ableiten. Diese bilden die Grundlage für eine zielgerichtete Digitalisierungsstrategie, abgestimmt auf Gebäudestruktur, Nutzung und vorhandene technische Ausstattung. Digitale Technologien wie Gebäudeautomation, Monitoring und digitale Regelungssysteme ermöglichen einen bedarfsgerechten, nachhaltigen und wirtschaftlichen Gebäudebetrieb.
Mehrwerte über das Gebäude hinaus
Die SRI-Bewertung bietet politischen Entscheidungsträgern einen kompakten Überblick über den aktuellen Digitalisierungsstand des Gebäudebestands. Zudem kann sie als Instrument dienen, um die Digitalisierung von Bestands- und Neubauten strukturiert zu planen und voranzutreiben.
Testphase in Europa
Der SRI befindet sich derzeit in einer EU-weiten Testphase, an der aktuell 16 europäische Länder, darunter Deutschland, Frankreich, Dänemark, Österreich und Spanien teilnehmen. Im Rahmen des EU-LIFE-Projekts SRI-Enact (PDF-Download) wurden bereits über 1.200 Gebäude in offiziellen Testphasen der Mitgliedstaaten bewertet. Zudem präsentiert das EU-Projekt SmartSquare Testergebnisse aus Deutschland und anderen EU-Ländern.
Besonders häufig werden dabei Nichtwohngebäude aus dem Bildungsbereich untersucht, um europaweit belastbare und vergleichbare Referenzwerte zu schaffen.